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Kalkfarbe zählt zu den ältesten und gleichzeitig modernsten Wandbeschichtungen. Die rein mineralische Farbe aus gelöschtem Kalk überzeugt durch ihre bauphysikalischen Eigenschaften, ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit und ihre natürliche Schimmelprävention. Gerade in Zeiten zunehmender Wohngesundheits-Bewusstsein erlebt das Kalkfarbe Streichen eine Renaissance – zu Recht.
In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Kalkfarbe fachgerecht verarbeiten, welche Untergründe geeignet sind, welche Besonderheiten zu beachten sind und wie Sie häufige Fehler vermeiden. Mit über 30 Jahren Erfahrung im Farbenfachhandel geben wir Ihnen praxiserprobte Tipps für perfekte Ergebnisse.
Kalkfarbe besteht hauptsächlich aus gelöschtem Kalk (Calciumhydroxid), der mit Wasser angerührt wird. Im Gegensatz zu Dispersionsfarben enthält echte Kalkfarbe keine Kunststoffbindemittel und härtet durch einen chemischen Prozess aus: die Carbonatisierung. Dabei reagiert der Kalk mit dem CO₂ der Luft und bildet wieder Kalkstein – die Farbe verwächst regelrecht mit dem Untergrund.
Laut Umweltbundesamt können mineralische Farben wie Kalkfarbe zur Verbesserung der Innenraumluftqualität beitragen, da sie keine flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) freisetzen.
Die Entscheidung für Kalkfarbe bringt zahlreiche Vorteile mit sich, die besonders bei Alt- und Neubauten mit Feuchtigkeitsproblemen zum Tragen kommen:
| Eigenschaft | Vorteil | Besonders wichtig für |
|---|---|---|
| Schimmelresistenz | Hoher pH-Wert verhindert Pilzwachstum | Feuchträume, Altbauten, Kellerräume |
| Atmungsaktivität | Reguliert Raumfeuchte natürlich | Schlafzimmer, Wohnräume, Badezimmer |
| Allergikerfreundlich | Keine Lösemittel, keine Ausdünstungen | Kinderzimmer, Allergiker-Haushalte |
| Nachhaltigkeit | 100% natürlich, recyclebar | Ökologisches Bauen, Denkmalschutz |
| Desinfizierend | Antibakteriell durch Alkalität | Küchen, Bäder, Kinderzimmer |
Kalkfarbe ist besonders empfehlenswert in folgenden Situationen:
Kalkfarbe verlangt nach mineralischen, saugfähigen Untergründen. Die Carbonatisierung funktioniert nur, wenn die Farbe mit dem Untergrund eine chemische Verbindung eingehen kann.
Die Verarbeitung von Kalkfarbe unterscheidet sich deutlich von herkömmlichen Dispersionsfarben. Befolgen Sie diese Anleitung für optimale Ergebnisse:
Entfernen Sie lose Farbreste, Staub und Verschmutzungen. Bei stark saugenden Untergründen mit Wasser vornässen oder eine Kalkgrundierung auftragen. Löcher und Risse mit Kalkspachtel ausbessern. Der Untergrund sollte gleichmäßig saugfähig, tragfähig und trocken sein.
Reine Kalkfarbe wird oft als Pulver geliefert und muss mit Wasser angerührt werden. Geben Sie das Pulver langsam ins Wasser (nicht umgekehrt!) und rühren Sie gründlich mit einem Quirl. Die Konsistenz sollte cremig-flüssig sein. Lassen Sie die Mischung 10-15 Minuten quellen und rühren Sie nochmals auf.
Verwenden Sie einen breiten Flachpinsel oder Heizkörperpinsel für Ecken, Kanten und Anschlüsse. Kalkfarbe niemals mit Kunststoffrollen verarbeiten – sie reagiert mit Kunststoff und verklebt. Nutzen Sie ausschließlich Naturborsten-Werkzeuge.
Tragen Sie die Kalkfarbe mit einem Kalkbesen, einer Kalkbürste oder einem Flächenstreicher satt und gleichmäßig auf. Arbeiten Sie nass-in-nass und kreuzweise (erst horizontal, dann vertikal), um eine gleichmäßige Schichtdicke zu erzielen. Die erste Schicht wirkt oft fleckig – das ist normal.
Lassen Sie die erste Schicht mindestens 12-24 Stunden trocknen. Kalkfarbe braucht Zeit für die Carbonatisierung. Für optimale Ergebnisse können Sie die angetrocknete Fläche leicht mit Wasser nebeln.
Die zweite Schicht wird wie die erste aufgetragen, diesmal jedoch etwas dünner. Das Deckvermögen verbessert sich deutlich. Bei dunklen Untergründen oder für intensive Farbigkeit kann eine dritte Schicht nötig sein.
Für höhere Abriebfestigkeit kann die getrocknete Kalkfarbe mit einer Kalkseifenlösung nachbehandelt werden. Dies schützt die Oberfläche und macht sie leichter abwaschbar. In Feuchträumen besonders empfehlenswert.
Kalkfarbe ist empfindlicher gegenüber Witterungseinflüssen als Kunststoffdispersionen:
Bei proma-farben.de führen wir hochwertige Innenfarben verschiedener Hersteller, darunter auch erstklassige Kalkfarben und mineralische Alternativen:
Premium-Kalkfarbe auf Sumpfkalkbasis. Besonders diffusionsoffen, für historische Gebäude und Allergiker. Höchste Qualität für anspruchsvolle Projekte.
Mineralische Innenwandfarbe auf Silikatbasis mit ähnlichen Eigenschaften wie Kalkfarbe. Schimmelresistent, wohngesund und extrem langlebig.
Bio-zertifizierte Mineralfarbe mit Kalkanteil. Atmungsaktiv, allergikerfreundlich und einfacher zu verarbeiten als reine Kalkfarbe.
Mineralische Premium-Innenfarbe mit hervorragender Deckkraft. Verbindet die Vorteile von Kalk- und Silikatfarben mit einfacher Verarbeitung.
Für allergikerfreundliche Farben bieten wir eine große Auswahl mineralischer und emissionsarmer Produkte, die sich perfekt für gesundes Wohnen eignen.
Diese typischen Anfängerfehler sollten Sie unbedingt vermeiden:
Das Streichen von Kalkfarbe auf Dispersionsfarbe führt zu Abplatzungen und Blasenbildung. Prüfen Sie den Untergrund immer vorab und entfernen Sie gegebenenfalls nicht-mineralische Altanstriche.
Kalkfarbe braucht Zeit zum Carbonatisieren. Zwischen den Anstrichen sollten mindestens 12 Stunden liegen. Bei zu schnellem Überstreichen kann die Farbe „absaufen“ und fleckig werden.
Kunststoffrollen und synthetische Pinsel sind ungeeignet. Der hohe pH-Wert der Kalkfarbe greift Kunststoffe an. Verwenden Sie ausschließlich Naturborsten-Pinsel, Kalkbesen oder spezielle Mineralfarben-Roller.
Kalkfarbe muss satt aufgetragen werden, um ihre Eigenschaften voll zu entfalten. Ein zu dünner Auftrag führt zu mangelhafter Deckkraft und geringerer Schimmelresistenz.
Auf Flächen mit stark unterschiedlicher Saugfähigkeit (z.B. Spachtelstellen neben Altputz) entstehen Flecken. Grundieren Sie solche Bereiche vorab mit verdünnter Kalkfarbe oder einem Kalkfixativ.
Natürliche Kalkfarbe ist reinweiß mit einem warmen Grundton. Für farbige Gestaltungen können Sie Kalkfarbe mit mineralischen Pigmenten abtönen:
Der Pigmentanteil sollte maximal 5-8% der Kalkmenge betragen. Höhere Dosierungen können die Carbonatisierung behindern und die Festigkeit verringern. Tönungen sollten in allen Eimern gleichzeitig erfolgen, um Farbabweichungen zu vermeiden.
Die matte, pudrige Oberfläche von Kalkfarbe lässt sich wunderbar gestalterisch nutzen:
Wie unterscheidet sich Kalkfarbe von anderen Innenwandfarben?
| Eigenschaft | Kalkfarbe | Silikatfarbe | Dispersionsfarbe |
|---|---|---|---|
| Bindemittel | Kalk (mineralisch) | Kaliwasserglas | Kunstharz |
| Schimmelresistenz | Sehr hoch | Sehr hoch | Mittel bis niedrig |
| Atmungsaktivität | Maximal | Sehr hoch | Gering |
| Allergikertauglich | Ja | Ja | Teils |
| Verarbeitung | Anspruchsvoll | Mittel | Einfach |
| Abriebfestigkeit | Mittel | Hoch | Hoch |
| Preis | Mittel | Hoch | Niedrig bis mittel |
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass mineralische Wandfarben wie Kalk- und Silikatfarben bei korrekter Verarbeitung die gesündeste Wahl für Innenräume darstellen.
Kalkfarbe ist pflegeleicht, aber nicht so abriebfest wie Kunststoffdispersionen. So halten Sie Ihre Kalkoberflächen schön:
In stark beanspruchten Bereichen (Flure, Treppenhäuser, Küchen) können Sie die getrocknete Kalkfarbe mit Kalkseife nachbehandeln. Dies verseift die Oberfläche und macht sie wasserabweisender und abriebfester.
Der große Vorteil von Kalkfarbe: Sie lässt sich problemlos mit derselben Farbe überstreichen. Bei Renovierungen reicht meist eine Schicht. Die neue Farbe verbindet sich chemisch mit der alten – eine echte Einheit.
Die Kosten für Kalkfarbe liegen im mittleren Preissegment:
Trotz etwas höherer Materialkosten amortisiert sich Kalkfarbe durch ihre Langlebigkeit, gesundheitlichen Vorteile und einfache Renovierbarkeit.
Ja, Kalkfarbe ist sogar besonders gut für Feuchträume geeignet. Der hohe pH-Wert verhindert Schimmelbildung, und die Atmungsaktivität reguliert die Feuchtigkeit. In Duschbereichen mit direktem Wasserspritzer sollten Sie die Oberfläche mit Kalkseife nachbehandeln oder auf Silikatfarbe ausweichen, die noch wasserbeständiger ist.
Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge. Kalkfarbe hat bei der ersten Schicht ein sehr geringes Deckvermögen, besonders auf unterschiedlich saugfähigen Untergründen. Die zweite Schicht gleicht diese Unregelmäßigkeiten aus. Wichtig ist, dass Sie zwischen den Anstrichen ausreichend Zeit zur Carbonatisierung lassen (mindestens 12-24 Stunden).
Nein, das funktioniert nicht dauerhaft. Kalkfarbe haftet nur auf mineralischen, saugfähigen Untergründen. Dispersionsfarbe bildet eine kunststoffhaltige Sperrschicht. Sie müssen entweder die Dispersionsfarbe vollständig entfernen oder den Untergrund mit einer speziellen Haftgrundierung vorbereiten. Alternativ können Sie auf mineralische Farben mit Kunststoffanteil (wie Silikatdispersionsfarben) ausweichen.
Oberflächlich ist Kalkfarbe nach 4-8 Stunden trocken. Die vollständige Carbonatisierung dauert jedoch 2-4 Wochen. Erst dann hat die Farbe ihre endgültige Härte und Festigkeit erreicht. Der zweite Anstrich sollte frühestens nach 12 Stunden, besser nach 24 Stunden erfolgen. In dieser Zeit die Räume nur spaltbreit lüften, um die Luftfeuchtigkeit nicht zu stark abzusenken.
Ja, aber sie ist kein Allheilmittel. Der hohe pH-Wert (über 12) schafft ein Milieu, in dem Schimmelpilze nicht wachsen können. Zusätzlich transportiert die diffusionsoffene Struktur Feuchtigkeit schnell ab. Allerdings muss die Schimmelursache (meist Feuchtigkeit und Wärmebrücken) behoben werden. Kalkfarbe kann Schimmel vorbeugen, aber nicht die bauphysikalischen Probleme lösen. Bei akutem Befall empfehlen wir zunächst eine Anti-Schimmel-Behandlung mit speziellen Produkten.

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